Tierheim als Dienstleister
Von ehrenamtlichen Tierschützern und Dienstleistern – Tierheim im Wandel

Viele Tierheime in Deutschland gehören einem Tierschutzverein und werden mit viel Engagement von Tierschützern betrieben. Die meisten haben sich auch professionelle Hilfe dazu geholt, um die anfallenden Arbeiten erledigen zu können. Einige Vereine betreiben das Tierheim sogar ausschließlich mit Angestellten. Grundsätzlich hat sich das Tierheim mit der Zeit von der Auffangstation für Tiere zum echten Dienstleistungsbetrieb gewandelt. Die Hauptaufgabe der Tierheime ist häufig die Annahme und Verwahrung von Fundtieren im Namen der Gemeinden der Fundorte. Diese Tatsache hat weit reichende Konsequenzen:
Wie jeder andere Dienstleister hat man Verpflichtungen seinen Kunden gegenüber. Zur Erfüllung dieser Pflichten ist es notwendig finanziell entsprechend ausgestattet zu sein, damit Personal bezahlt werden kann, sowie Gebäude, Fahrzeuge und Arbeitsmittel angeschafft und instand gehalten werden können.
Die Mittel für die Erfüllung dieser Pflichten sollten durch die Erstattung der jeweiligen Kosten durch die Gemeinden der Fundorte bereitgestellt werden. Spenden oder Mitgliedsbeiträge des Vereins sind vornehmlich für den Einsatz satzungsgemäßer Zwecke einzusetzen und nicht für den Betrieb des Tierheim als Verwahrstelle für Fundtiere.
Gleiches gilt für die Unterbringung von Gasttieren (Tierpension) im Tierheim. Auch hier ist das Tierheim Dienstleister und darf (Steuerpflicht) keinesfalls Spenden oder Mitgliedsbeiträge hierfür zweckentfremden.
Lediglich die Unterbringung von Abgabetieren ist voll durch die Mitgliedsbeiträge und Spenden zu finanzieren, denn das ist der eigentliche Zweck des Tierheims. Die anderen Dienstleistungen ergeben sich meist durch die Satzung des Vereins, in der der Tierschutzgedanke an erster Stelle steht. Hier entstand auch die schlechte Situation der meisten Tierheime in Deutschland: Man hat sich von den Gemeinden die Kosten nicht vollständig erstatten lassen und auf sein gutes Recht (BGB §90a und §965ff in Verbindung mit AGBGB §5a) verzichtet und statt dessen versucht die Deckungslücke durch Spenden zu schließen. Dazu beigetragen hat sicherlich auch eine Fehlinterpretation der jeweiligen Landesregelungen.
Nach heutigen Stand gibt es keinen Grund mehr, auf die vollständige Erstattung der Kosten für die Verwahrung von Fundtieren zu verzichten. Die Gemeinden sind hierzu verpflichtet. Wer als Tierheimbetreiber also keinen Pauschalvertrag oder sonstige Regelung mit den Gemeinden der Fundorte getroffen hat, sollte schnellstmöglich seine Ansprüche geltend machen. Zu beachten ist hierbei insbesondere die Steuerpflicht der Tierheime (bzw. der Betreiber). Nähere Auskünfte erteilt ihnen gerne ihr zuständiges Finanzamt oder die Oberfinanzdirektion ihre Bundeslandes.
In jedem Fall sollten alle vertraglichen Vereinbarungen auf ihre Kostendeckung geprüft werden. Nicht nur die Tiere, sondern auch und gerade die Mitarbeiter in einem Tierheim haben ein Recht darauf. Achten sie auch auf verdeckte Kosten, wie Rücklagen für die Instandhaltung von Gebäuden und Fahrzeugen.